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Wie finde ich meinen Platz in der Welt?

Diese Frage hat mich lange Zeit meines Lebens beschäftigt, beschäftigt mich immer wieder und ist oft Thema der Menschen, die zu mir kommen. Das hat wohl etwas mit Resonanz zu tun 🙂

Der Platz in der Welt ist eng mit dem Platz verbunden, den man als Kind im Familiensystem erlebt hat. Schon während der Schwangerschaft prägen die Gefühle der Mutter, wie das Kind sich in der Welt erlebt. Ersehnter Quell der Freude, unerwünschte Zusatzbelastung, Kompensation für unerfüllte Wünsche?

Der Platz den man im Familiensystem einnimmt hängt unmittelbar damit zusammen, wie viel Energie man aus seiner physischen Herkunft bekommt oder ob es sogar Energie kostet.

Wie stehst du zu mir?

Schon die Sprache verrät einiges. Es macht einen Unterschied jemanden an seiner Seite zu haben, oder jemanden der hinter einem steht.

Die Frage „Wie stehst du zu mir?“ kann man durchaus auch bildlich interpretieren. Du kannst das mit einer Freundin oder einem Freund ausprobieren. Wann fühlt ihr euch am wohlsten. Wenn sie links oder rechts von dir steht, vor dir oder hinter dir oder vielleicht gegenüber. Was verändert sich, wenn sich der Abstand verändert. Bis jetzt hat noch jeder etwas wahrnehmen können, wenn er darauf achtete.

Symptome des „falschen“ Platzes

Psychisch

  • Unruhe in Verbindung mit dem Gedanken „Ich sollte eigentlich wo anders oder schon weiter sein.“
  • Workaholic- Tendenzen
  • Den Eindruck, dass niemand hinter dir steht.
  • Keine Unterstützung haben
  • Den Eindruck, keine Talente oder Fähigkeiten zu haben, die anderen nutzen, oder keine Gelegenheit zu bekommen, diese einsetzen zu können.
  • Das Gefühl es viel schwerer als andere zu haben.
  • Die Neigung sich mit Aufgaben einzudecken, die dich dann überfordern.
  • Das Gefühl das etwas bzw. jemand fehlt.
  • Einsamkeit, sogar dann, wenn man lieben Menschen umgeben ist.

Körperlich

  • Rückenbeschwerden aller Art
  • Wirbelsäulenprobleme
  • Unterleibsprobleme

Die Bedeutung der Positionen im Familiensystem

Dies sind Erfahrungswerte und keine allgemein gültigen Dogmen. Die Arbeit von vielen Familienstellern und auch meine eigene hat immer wieder gezeigt, das der Versuch einen Aufgabe vom „falschen“ Platz aus zu übernehmen zu Konflikten und Unstimmigkeiten führt. Bei einigen meiner Klienten bewirkte allein die Korrektur des inneren Bildes eine deutliche Entschärfung der Situation.

Vorne/Hinten

Wenn ich hinter einer Person stehe und mich wohl dabei fühle, dann stärke ich ihr den Rücken.

Ich bin da wenn sich die Person anlehnen möchte, bleibe aber auch sicher stehen, wenn die Person von mir weiter weg geht.

Wenn ich vor einer Person stehe, empfange ich von dieser Person Unterstützung, für die ich nichts zurück geben muss/kann. Es liegt in der Natur der Sache, dass ich mich mit der Zeit von der Person weiter weg bewege, wenn ich unabhängiger werde.

Natürlich ist es schön einen Partner zu haben, der auch hinter einem stehen kann. Dies ist jedoch auf dauer kein guter Platz für den Partner, da es die Beziehung asymmetrisch macht, und zeigt, dass der Partner nicht nur Partner sein kann, sondern auch als Vater/Mutter-Ersatz dient.

Links/Rechts

Die Positionen Links und Rechts lassen sich mit der Funktion des Innenmisters und Außenministers vergleichen.

In der linken Position übernimmt man die Aufgabe für die Qualität der Beziehung zu sorgen, man achtet darauf auch den Weg zu genießen, während man auf das Ziel zugeht, achtet auf Gerechte Aufgabenverteilung usw.

In der rechten Position gibt man die Richtung vor, fokussiert auf Ziele, übernimmt die Kommunikation nach außen und gegebenenfalls auch die Verteidigung.

Der Abstand

Der Abstand ist eine Metapher für die Nähe bzw. Distanz zu einer Person. Das kann der Kontakthäufigkeit oder auch der emotionalen Tiefe der Begegnungen entsprechen.

So fließt die Energie am Besten

Sein Herkunfts-Familiensystem zu ordnen ist das beste, dass man tun kann, um seine Kinder zu entlasten.

Platz der leiblichen Eltern

Die Eltern stehen hinter den Kindern. Von ihnen kommt das Leben, dass sie an die Kinder weiter gegeben haben. Sie waren vorher da, also stehen sie hinter ihren Kindern und stärken ihnen im besten Fall den Rücken um in ihr eigenes Leben zu gehen.

Bei einem sehr belasteten Verhältnis ist es gut wenn die Eltern im inneren Bild weit hinter der betreffenden Person sehen und diese eventuell noch einen Schutz oder eine andere Kraftquelle zwischen sich und den Eltern visualisiert.

Dennoch ändert auch das nichts an der Tatsache, dass die Eltern vorher da waren und deshalb hinter ihren Kindern stehen.

Es hat sich gezeigt, dass sich die meisten dann am wohlsten fühlen, wenn die Mutter links und der Vater rechts steht.

Platz der leiblichen Geschwister

Die älteren Geschwister stehen rechts, die jüngeren Links. Wenn es eine Abtreibung oder eine Totgeburt gegeben hat, ist es wichtig auch diesem Geschwister seinen Platz zu geben.

Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, wie anstrengend es sein kann, den Platz der Ersten einzunehmen, wenn es nicht der eigene ist.

Platz von Stief- und Pflegeeltern

So wertvoll Stief- und Pflegeeltern sind, so ist es doch wichtig, zu erkennen, dass das Leben von den leiblichen Eltern kam. Sie können den Platz der leiblichen Eltern nicht einnehmen, jedoch können sie natürlich viel Kraft und Rückenstärkung liefern.

Platz von Halb-, Stief-, Adoptivgeschwister

Laut Hans Peter Zimmermann sie stehen links der leiblichen Geschwister. Ich muss gestehen, dass ich wenig Erfahrung mit Patchwork-Familien habe. Ich bin auch keine Familientherapeutin.

Mein Fokus liegt darin, den Energiefluss wieder herzustellen. Dafür ist es wichtig den Eltern und Geschwistern, auch ungeborenen, in seinem inneren Bild der Familie ihren Platz zu geben.

Wozu professionelle Unterstützung?

Ein Profi kann dich mit seiner Erfahrung unterstützen, die Verantwortungen zu klären und dir bewusst machen, woran es z.B. liegen kann, wenn sich die „richtige“ Position für dir gar nicht gut anfühlt. Weiters hilft jemand anderes einen einfach dabei das eigene Brett vor dem Kopf zu finden, das man ja bekanntlich nicht sieht.

Aufstellung mit Personen, Figuren oder nur innerlich visualisieren

Um den Energiefluss im System wieder herzustellen arbeite ich am liebsten mit Figuren. Dabei lassen sich Konflikte bereinigen, die durch ein Missverständnis über den eigenen Platz bereinigen. Man bleibt bei der Arbeit mit Figuren bei seinen eigenen Emotionen.

Wenn nach dem einnehmen des eigenen Platzes im Familiensystem und dem klären der Verantwortungen noch Konflikte bleiben bevorzuge ich andere Methoden, wie Empathiegespräche oder die Arbeit mit inneren Anteilen.

Je nach Art des Problems kann auch eine Therapie mit einem Familienpsychologen angezeigt sein. Mir ist hier auch wichtig meine Arbeit als Energetikerin und Kommunikationtrainerin von der einer Psychologin abzugrenzen.

Eine Aufstellung mit Personen, die als Stellvertreter für die Familienmitglieder fungieren, kann emotional sehr belastend sein. Ich empfehle sich zumindest eine Aufstellung des Aufstellungsleiters als Darsteller anzusehen, bevor man sich entschließt, dort eine eigene zu machen.

Generell gilt: Wenn du ein mulmiges Gefühl hast, prüfe gut, ob dies der normale Bammel vor einer wichtigen, heilsamen Veränderung ist, oder deine Intuition, die dich warnt. Dafür gibt es sanfte Methoden, die dich bei der Klärung unterstützen können.

Was, wenn die Energie trotzdem nicht fließt?

Alter Groll, Wut und Verurteilungen verhindern, dass trotz der passenden Position die Kraft des Ursprungssystems beim Klienten ankommt. Ein guter Aufstellungsleiter unterstützt den Klienten empathisch seine Urteile loszulassen, durch den Schmerz hindurch zu gehen und die Verantwortung für seine Bedürfnisse im Hier und Jetzt zu übernehmen.

Einerseits können Aufstellungen helfen, sich mit dem Potential, der besten Möglichkeit zu verbinden. Es ist jedoch ebenso wichtig zu akzeptieren, dass einem seine Eltern nun mal nicht alles geben konnten, was man sich gewünscht hätte.

Solange die Eltern schuld sind, dass man z.B. keine liebevolle Beziehung eingehen kann oder beruflich nicht so erfolgreich ist, kann man nichts daran ändern. Der Schlüssel hier raus ist Vergebung und die Verantwortung für das Hier und Jetzt zu übernehmen.

Eine gute Begleitung wird dir nicht nur sagen, dass du vergeben musst, sondern dich mit Mitgefühl, Empathie und Klarheit in diesem Prozess unterstützen.

Demo-Video

Hier ist ein kleine Video, dass ich gemacht habe, um zu zeigen, wie eine Aufstellungsarbeit aussehen kann.

Das Schicksal, Verantwortung und falsch verstandene Liebe

Was bedeutet “Das Schicksal achten”?

„Ich achte dein Schicksal“ ist einer der heilsamsten Sätze, um sich aus Verstrickungen zu befreien. Aber was bedeutet das nun? Schließlich heilen ja nicht die Worte, sondern die Absicht dahinter.

Kinder übernehmen oft unbewusst die Verantwortung für die Überforderung, Krankheiten oder das eventuell ablehnende, urteilende Verhalten der Eltern.

Das Kind glaub, es sei „Schuld“ wenn der Papa schreit, oder es sei dafür verantwortlich, dass Mama so gestresst und depressiv ist. Das kostet dem Kind Lebenskraft und wenn das Muster nicht gelöst wurde, treten im Erwachsenenalter häufig Rückenbeschwerden auf.

Der Sohn oder die Tochter „trägt“ zu schwer.

 

Wie ist das mit der Verantwortung

Zum achten des Schicksals gehört es, die Verantwortung für dessen Gefühle, Bedürfnisse, Worte und Taten bei dem betreffenden Menschen zu lassen.

Nicht wenige Opfer von emotionaler oder physischer Gewalt quälen sich noch Jahre später mit Fragen, wie

  • Warum hat sie mich so oft angeschrien?
  • Warum hat sie nie etwas gutes an mir gefunden
  • Warum hat er mich geschlagen?

All diese Fragen, fragen nach einer Antwort auf das Verhalten des anderen. Für etwas verantwortlich zu sein, bedeutet dass die Antwort auf die Fragen bei der betreffenden Person liegt.

Wer ist also für, dafür verantwortlich dass deine Mutter dich angeschrien hat?
Genau: Deine Mutter.

Wer ist dafür verantwortlich, dass du dich damit in der Gegenwart selbst quälst, was in der Vergangenheit passiert ist.
Genau: Du

Also, ein wichtiger Teil von „das Schicksal achten“ ist, die Verantwortung bei der betreffenden Person zu lassen. Deine Eltern sind dafür verantwortlich was sie getan oder nicht getan haben. Du bist dafür verantwortlich, wie du damit umgehst.

Jeder, so gut er konnte

Ein weiterer, wichtiger Aspekt ist, die Urteile darüber, wie die Person hätte handeln oder sein sollen, fallen zu lassen.

„Jede Person handelt unter Anbetracht ihrer Fähigkeiten und Einschränkungen IMMER so gut sie kann.“

Mir sind schon viele Menschen begegnet, die dazu neigen, weil sie selbst in einer bestimmten Situation besser handeln könnten, den andern zu verurteilen. Oft fallen Sätze, wie

  • Er ist zu faul
  • Sie simuliert doch nur
  • Es kann doch nicht sein, dass so eine Kleinigkeit nicht erledigt werden kann.

Wenn man sich noch nicht viel mit sich beschäftigt hat, können sich diese Urteile als wahr anfühlen. Die Annahme, und das ist es: eine Annahme, dass jeder immer so gut tut, wie er kann, ist keine Entschuldigung oder Rechtfertigung.

Wenn es dir schwer fällt, mit der Idee etwas anzufangen, dann lade ich dich zu folgender Übung ein:

Beobachte deine eigenen Gefühle, wenn du denkst:

  • Er ist ein Versager und hätte es zu mehr bringen können, wenn er sich mehr angestrengt hätte.

Und nun achte auf deine eigenen Gefühle, wenn du denkst:

  • Er hat gemacht was er konnte. Auch wenn ich in seiner Situation mehr hätte leisten könnten, hat er das beste gemacht, was für ihn möglich war.

Mit welchen Gedanken geht es dir besser?

Falsch verstandene Liebe und die eigene Größe

Gerade, wenn man aus alten, tradierten Mustern ausbrechen will, melden sich oft massive Widerstände. Diese könnten von außen kommen, oder schon so internalisiert worden sein, dass es keinen Kommentar von außen braucht.

Einer, wenn nicht der wichtigste Aspekt, von „das Schicksal achten“ ist, zu erkennen, das die Geschichte, Erfahrung und Lebensweise der Eltern und weiteren Vorfahren erst ermöglicht hat, die Energie und Kraft für neue Wege zu haben.

Falsch verstandene Liebe, wie auch Ablehnung haben den selben Effekt. Sie führen zur Wiederholung der Muster und Strategien. „Das Schicksal achten“ bedeutet auch das Leid, die schlechten Entscheidungen und Ängste bei der Person zu lassen und sie zu respektieren, ohne ihr das abnehmen zu wollen. Damit lässt man dem Menschen seine Größe. Und dem anderen seine Größe zu lassen, ist essentiell dafür, auch seine eigene Größe leben zu können.

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